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Bolligen versalzt Slavonija die Suppe
Nach 14 Siegen in Folge haben die Drittligafussballer
des SV Slavonija gegen Bolligen zum ersten Mal in
dieser Saison Punkte abgegeben und verloren. Die
Niederlage verarbeiteten die erfolgsgewohnten Kroaten
gemeinsam vor dem Suppentopf.
Dalmatinische Volksmusik, schmackhafter Wein und
das scharfe kroatische Nationalgericht Cobanac -
wer zuschaut, wie die Fussballer des Berner Drittligisten
SV Slavonija im Klublokal auf dem Sportplatz Viererfeld
vergnügt Gulaschsuppe schlürfen und sich angeregt
unterhalten, mag sich fragen, was für euphorisierende
Kräuter der Koch Djuro wohl in den Eintopf geschnetzelt
hat. Eben noch verliessen die Kroaten zum ersten
Mal in dieser Saison den Platz als Verlierer. Nach
14 Siegen in Folge riss Slavonijas bemerkenswerte
Serie gegen Bolligen. Marcel Fuchser sorgte mit
einem verwandelten Penalty am Sonntag dafür, dass
Teamkollege und BE1-Radio-Moderator Simon Moser
in seiner Morgenshow über Bolligens Exploit "plagieren"
konnte.
14 Punkte Vorsprung
"Verarbeiten müssen wir diese Niederlage nicht
gross", sagt Slavonijas Topskorer Petar Grgic
(9 Saisontreffer) selbstbewusst. Der Vorsprung auf
das zweitplazierte Thörishaus betrage nach wie vor
komfortable 14 Punkte. "Wenn wir den Aufstieg
in die 1.Stärkeklasse nicht schaffen, sind wir selber
schuld." Grgic, 26, führt die erste Saisonniederlage
auf das Fehlen dreier Führungsspieler zurück. "Spielmacher
Mario Sekic und ich waren gesperrt, Verteidiger
Nino Kamber weilte in den Ferien." Grgic, ein
guter Kollege von Schalke-Profi Ivan Rakitic ("Ich
kenne ihn aus gemeinsamen Grümpelturnierzeiten"),
ist zuversichtlich: "Am Sonntag beginnen wir
gegen Schwarzenburg eine neue Siegesserie. Wir sind
hungrig nach Erfolg." Trainer Milenko Bajic,
44, schmunzelt. "Ich möchte nicht widersprechen.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist unsere Stärke.
Einer für alle, alle für einen!", sagt der
Pflegedienstleiter des Ziegelei-Zentrums Steffisburg,
bevor er in sein Auto steigt und Bern Richtung Insel
Pag verlässt. Die Fahrt in die Ferien nach Kroatien
dauert zehn Stunden.
Nur ein Rasentraining
"Wir haben dieses Jahr erst einmal auf Rasen
trainieren können", sagt Bajic. Es sei also
kein Problem, wenn er bis am Sonntag dem Trainingsbetrieb
fernbleibe. "Wir sind gute Marathonläufer geworden",
scherzt Teamstütze Darko Hodak. Weil das Viererfeld
am Abend nicht beleuchtet werden kann, joggten Slavonijas
Kicker hauptsächlich durch den Wald. An der Technik
feilten sie Anfang März im Trainingslager in Porec
(Kro). Die Trainersöhne Pavo und Marko Bajic sowie
Regisseur Mario Sekic sind der Stolz des erfolgreichsten
Schweizer Fussballklubs in dieser Saison (Super
League bis und mit 3.Liga). Sekic spielte einst
bei Freiburg in der 1.Liga; Pavo Bajic fiel schon
im U21-Team von St.Gallen durch seine Schnelligkeit
auf, Marko Bajic kam beim Zweitligisten Dürrenast
zu regelmässigen Einsätzen.
Bussen von 9000 Franken
Milenko Bajic hat die Mannschaft im vergangenen
Sommer übernommen und den bisweilen impulsiven Fussballern
Disziplin beigebracht. "Letzte Saison musste
der Verein Bussen von rund 9000 Franken bezahlen,
weil die Spieler verwarnt oder vom Platz gestellt
worden waren", sagt der Coach, um anzufügen,
dass ihm sein Vorhaben gelungen sei. "In den
bisherigen 15 Meisterschaftsspielen hat noch keiner
die rote Karte gekriegt." Petar Grgic meint,
dass der grösser gewordene Konkurrenzkampf viel
zum guten Benehmen der Spieler auf dem Platz beigetragen
habe.
Viele Secondos
Grgic spricht wie die meisten jungen Slavonija-Spieler
Berndeutsch. "Fast alle sind kroatisch-schweizerische
Doppelbürger. Viele sind in der Schweiz aufgewachsen",
sagt Grgic. Der Verein wurde 1971 von kroatischen
Gastarbeitern als FC National im gleichnamigen Berner
Hotel gegründet. 1988 folgte die Namensänderung
- Slavonija ist eine historische Region im Osten
Kroatiens. Während des Kroatien-Kriegs 1991-1995
unterstützten die Vereinsmitglieder Slavonijas ihre
Landsleute im Kampf gegen die serbischen Belagerer
mit Geldspenden, die dank gesellschaftlichen Anlässen
eingegangen waren. Der Sportverein Slavonija (58
Aktivmitglieder) ist der beste der 19 kroatischstämmigen
Fussballklubs in der Schweiz.
Thomas Wälti, Link
, Link_2
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