| 19.09.2006.
Mit gegenseitigem Respekt zur Integration

Mit gegenseitigem Respekt zur Integration
12.09.2006 Reto Neurauter
Buchs. - Die Stiftung Mintegra, das regionale Kompetenzzentrum für Integration Werdenberg-Sarganserland, lud zum Thema "Wertvorstellung und
Integration - von der Skepsis zum Respekt" am Samstag ins bzb drei hervorragende Experten ein: Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz und Mitglied des Rates der Religionen der Schweiz, Elisabeth Dörler, Islam-Beauftragte der Diözese Feldkirch und Leiterin Christlich-Muslimisches Forum Batschuns A, sowie Urs Köppel, Nationaldirektor für Auslandseelsorge und Generalsekretär der Kommission der Schweizer Bischofskonferenz für Migration "migratio". Die einführenden Worte sprach Ernst Hanselmann, Gemeindepräsident von Buchs und Präsident der Kommission Interkulturelles Zusammenleben. Die Moderation dieser vierten Tagung besorgte Max Müller, Geschäftsführer von Radio Ri.
Vernunft als Brücke
Dass die Angst vor dem Unbekannten umgeht, weiss Hanselmann aus Erfahrung. "Das Zusammenleben können wir aber vereinfachen, indem wir Integration leben." Er fordert klare Strukturen mit Rechten und Pflichten und dass die Politik hier vermehrt Verantwortung übernimmt. Damit aus weit verbreiteter Skepsis Respekt werde, "braucht es die Vernunft als Brücke, der Schritt von Argwohn zu Achtung, von Misstrauen zu Anerkennung", fordert Hanselmann.
Begreifen, um zu verstehen
Die Suche nach einem sinnvollen Zusammenleben müsse eine gemeinsame sein, forderte auch Maizar, "alle müssen dies in dieser Multi-Kulti-Gesellschaft wollen, aber das ist nicht so leicht zu erreichen". Man müsse gewillt sein, sich gegenseitig anzunehmen und bereit sein, "miteinander statt übereinander zu reden". Eine Rolle spiele da auch die Grundhaltung der Religionen, und er betonte, dass der Islam durchaus eine Koexistenz und ein friedliches Zusammenleben ermögliche. "Dass der Andere anders ist, muss das Gegenüber begreifen, damit er ihn versteht und besser beurteilen kann", ist Maizar überzeugt. Verantwortungslos sei nur, wenn Religionen missbraucht und instrumentalisiert werden. Die Lösung liege in gegenseitigem Respekt.
Respekt gefordert
Dörler fragt: "Wie gehen wir mit den Nachbarn um, die nicht unseren/meinen Glauben haben?" Sie forderte Respekt vor Andersgläubigen mit ihren Werten und ihrer Lebenswelt. Auch müsse man lernen, dass es andere Kulturen gebe. Dialog heisst aber auch: respektvolle Information über den Islam oder Stärkung der eigenen christlichen Identität. "Begegnungen mit Muslimen fördern das Verständnis, doch müssen auch Muslime offen über ihren Glauben informieren", ist Dörler überzeugt. Sie forderte Gerechtigkeit unter den Religionen in dieser Gesellschaft, "viel mehr noch sehe ich den Aufbau gemeinsamer Projekte, das fördert das Partner werden", betont Dörler.
Noch eine Herausforderung
Fremdsprachige Seelsorger und Imame könnten hier wertvolle Arbeit leisten. Köppel, in Au aufgewachsen, weiss, dass die Migration die gesellschaftliche und politische Landschaft arg durchgemischt hat. Die Frage nach der Bedeutung der Religion für die Migranten und deren Integration sei von zentraler Bedeutung, "wird zu einer neuen Herausforderung". Gerade bei Jugendlichen spiele das Umfeld eine immense Rolle. Religion habe deshalb durchaus integrative Wirkung, "wenn sie sich den Herausforderungen der Emigration und der neuen Umwelt stellt", erklärt Köppel. Priester und Imame sieht Köppel deshalb als Mittler zwischen Herkunfts- und Aufnahmeland und Ansprechpersonen für ihre Gläubigen in den alltäglichen Lebensfragen, die Sitten des Landes aber unbedingt anerkennend.
Verständnis füreinander
Im Resümee zur kurzen Gruppenarbeit wurde betont, dass es für die Umsetzung der Integrationsbestimmung noch viel Arbeit brauche. Das gegenseitige Wissen sei noch unzureichend. Von ganz schlechten Erfahrungen aber war nicht die Rede, obwohl: Im Religionsunterricht sei die Akzeptanz noch nicht die erhoffte. Oft sei auch der erste Eindruck entscheidend, und meinte dabei auch das Kopftuch. Dass Imame nicht so "fassbar" seien, wurde bemängelt. Ebenso, dass man vonseiten der Arbeitgeber zu wenig Unterstützung oder Entgegenkommen spürt. Hier will sich Mintegra nun vermehrt einsetzen. Als mögliche Wege zur Integration werden Begegnungen, Informationen und die Anerkennung humanistischer Werte genannt. Zudem sei wichtig, dass damit schon bei Jugendlichen begonnen wird. "Wir müssen handeln", fordert zum Tagungsschluss auch Boris Tschirky, stellvertretender Mintegra-Stiftungspräsident, "es wird viel geredet, noch mehr debattiert und zu viel geschrieben." Was bleibt? "Praktisch nichts", ist seine Bilanz, und fordert: "Wir müssen ein Vertrauensverhältnis aufbauen und Verständnis füreinander aufbringen, gerade auf der religiösen Ebene."
Von Reto Neurauter
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